Einführung in das
Christentum
Das Christentum:
die von Jesus von Nazareth - genannt Christus
- zur Zeitenwende gestiftete Religion. Die nach Anhängerschaft
größte und religionsgeschichtlich zweitälteste
der drei großen monotheistischen Weltreligionen ist
in Erfüllung der Verheißungen des Alten Testaments
aus der jüdischen Religion hervorgegangen, doch gleichzeitig
als Offenbarungsreligion etwas grundsätzlich Neues.
Durch die Apostel (vor allem Paulus) zunächst
im östlichen Mittelmeerraum bis Italien verbreitet; entwickelte
sich aus den verstreuten Gemeinden des Urchristentums im Rahmen
des übernationalen römischen Imperiums zur Weltkirche,
in seiner Ausbreitung gefördert durch die Jenseitsgerichtetheit
und das Erlösungsbedürfnis der Spätantike sowie
durch die werbende Kraft der Blutopfer seiner Märtyrer
(Christenverfolgungen); gehemmt noch bis ins 4. Jh. durch
das Misstrauen des römischen Staates, durch innere Auseinandersetzungen
(Arianismus/Athanasius) und die Rivalität der anderen
großen Weltreligionen und philosophischen Systeme der
ausgehenden Antike (Mithra). Dabei formte sich das Christentum
auch als Geistes- und Bildungsmacht in der Begegnung mit dem
Hellenismus; andererseits enge Verbindung mit dem römischen
Staats- und Rechtsdenken durch die Erhebung zur Staatsreligion
bzw. Reichskirche unter Kaiser Theodosius I. 391.
Im Kampf um den Primat (geistliche Vorrangstellung)
setzte sich der Bischof von Rom 451 (Reichskonzil zu Chalcedon)
gegen Konstantinopel durch; die Taufe des Merowingerkönigs
Chlodwig I. (496) führte die römische Kirche auf
den Weg der mittelalterlichen Staats- und Reichskirche; die
Rivalität Rom-Byzanz aber, dogmatisch vertieft, führte
1054 zur Kirchenspaltung (Schisma): Teilung in ein abendländisches
(römisch-katholisches) und morgenländisches (griechisch-orthodoxes)
Christentum.
Die Reformation (seit 1517) verursachte eine
erneute Glaubensspaltung in der christlichen Kirche und sprengte
die Einheit der mittelalterlichen Welt in Europa, die aus
der Aneignung des Christentums und der von ihm religiös
unterbauten universalen Reichsidee durch die germanisch-romanische
Völkerwelt erwachsen war (> Luther, Zwingli, Calvin,
Anglikanische Kirche).
Subjektive Auslegung der christlichen Lehre
führte zur weiteren Aufsplitterung in Freikirchen und
Sekten (vor allem auf protestantischer Seite); die christliche
Ständeordnung wurde gleichzeitig abgelöst von der
modernen Gesellschaftsordnung (Aufklärung, Französische
Revolution), womit das Christentum als beherrschende Lebensmacht
(z.B. in der Wirtschaftsauffassung) ausgeschaltet werden sollte.
Parallel zu der von den Kirchen bekämpften
"Entchristlichung" des Abendlandes ("Religion Privatsache",
Christentum in den meisten Ländern nicht mehr Staatsreligion)
lief die Ausbreitung des Christentums in der "Neuen Welt"
und großen Teilen Afrikas und Asiens. Als Weltreligion
von rund 1,7 Milliarden Menschen, gehören etwa 60 % der
römisch-katholischen Kirche, 25 % den evangelischen Kirchen
(einschließlich der Anglikaner) und 15 % der orthodoxen
und orientalischen Kirche an.
Dogmatisch beruht das Christentum auf dem Glauben
an den einen, persönlichen Gott als Urheber und Ziel
der Schöpfung, an den Messias Jesus Christus, der zur
Aussöhnung der sündigen Menschheit mit Gott in die
Welt kam, den Opfertod starb und seine göttliche Natur
durch Wunder und Auferstehung bewies, und an die durch ihn
verdiente göttliche Gnade, die dem Menschen durch Sakramente,
Gebet usw. zugewandt (katholisch) bzw. verheißen (protestantisch)
wird, um sie zum ewigen Heile (Anschauung Gottes im Jenseits)
zu führen.
Sittenlehre: Prinzip der Gottes- und Nächstenliebe,
Pflichten der Menschen gegen Gott (Gottesfurcht und -verehrung),
gegen sich selbst (Selbstvervollkommnung) und gegen die Mitmenschen
(Rechts- und Liebespflichten); dargestellt im Neuen Testament
in der Bergpredigt und in zahlreichen Gleichnissen.
1.
Ursprung des Christentums:
Die
Wurzeln des Christentums liegen in der jüdischen Religion.
Denn der christliche Glaube geht auf den Juden Jesus von Nazareth
zurück (ca. 4 v. Chr. Bis 33 n. Chr.). Nach der Überlieferung
der Bibel war er ein Wanderprediger, der Jünger um sich
scharte, lehrte, kranke heilte und sich Armen und Ausgegrenzten
zuwandte.
Jesus verkündete den Anbruch des nahen
Gottesreiches und forderte die Menschen zu radikaler Umkehr
auf (Gebot der Gottes- und Nächstenliebe). Vermutlich
wurde er als Aufrührer verdächtigt und geriet deshalb
in Konflikt mit den damaligen römischen und jüdischen
Machthabern. Der römische Stadthalter Pontius Pilatus
verurteilte Jesus zum Tode durch Kreuzigung.
Die ersten Christen waren Juden, die den gekreuzigten
Jesus als den auferstandenen Christus und Sohn Gottes bezeugten.
Diese Auffassung führte zur Loslösung vom jüdischen
Glauben. Mit dem Christentum bildete sich eine neue, eigenständige
Religion heraus, die eine eigene Gestalt – Kanon, Kirche,
Traditionen und Bekenntnisse – entwickelte.
2. Geschichte
des Christentums:
Entscheidend für die Entwicklung des Christentums
hin zur Weltreligion waren vor allem folgende Gründe:
Zum einen bildete die noch junge Religion sehr
schnell feste Formen aus, so etwa die Kirche mit unterschiedlichen
Ämtern, dem Kanon, der heiligen Schrift (Bibel) und Bekenntnisse.
Zum anderen entfalteten die ersten Christen eine rege Missionstätigkeit,
die sie auf den Auftrag des auferstandenen Jesus Christus
zurückführten. So wurden in den ersten 4 Jahrhunderten
n. Chr. Die Mittelmeerländer missioniert.
Nach der Christenverfolgung vom 1. Bis zum
3. Jahrhundert wurde der Christliche Glaube unter Kaiser Konstantin
I. im 4. Jahrhundert n. Chr. Offizielle Staatsreligion des
römischen Reiches. In der Folgezeit breitete sich das
Christentum über ganz Europa aus: Im Mittelmeer prägte
es das „christliche Abendland“ mit seiner engen Verbindung
von weltlicher und geistlicher Macht und Kultur.
Das Schisma von 1054 führte zur Teilung
der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche. Die Reformation
im 16. Jahrhundert brachte eine weitere Aufsplitterung in
einzelne evangelische Glaubensgemeinschaften.
Im Zuge des Konolialismus und des Imperialismus
gelangte das Christentum auch nach Amerika, Afrika und Asien.
Im Gefolge der Aufklärung und der daraus resultierenden
Säkularisierung hat der christliche Glaube in den westlich
geprägten Gesellschaften seinen Absolutheitsanspruch
verloren.
In der Gegenwart gibt es einen erneuten Drang
zur christlichen Einheit. So etwa in der ökomenischen
Bewegung im Weltkirchenrat oder im 2. Vatikanischen Konzil
(1962-1965)
Doch jetzt (2000) hat die katholische Kirche
wieder die ALLEINIGE HEILSMACHUNG für SICH beansprucht.
3. jüdische
Religion
Das
Judentum, die allen Juden gemeinsame Religion, basiert auf
folgenden Glaubensüberzeugungen: Glaube an einen allmächtigen
Gott, an das Kommen des Messias und die Errichtung eines Reichs
von Friede, Liebe, Recht als Schöpfungsziel. Besonders
wichtig ist der Gehorsam gegenüber der Tora ("Weisung").
Allerdings ist dieser Gehorsam nicht Voraussetzung für
das Verhältnis zwischen Gott und Mensch, vielmehr die
Folge der Erwählung. Die Weisung wird deshalb als gute
Gabe Gottes verstanden. Ihre Quelle ist die hebräische
Bibel, insbesondere die fünf Bücher Mose (Pentateuch),
aber auch die Schriften der Propheten sowie die Geschichtsbücher,
die zusammen den TeNaCh bilden (Tenach = Tora, Neviim, Chetuvim).
Zentrum des Gottesdienstes, für den zehn
religionsmündige Teilnehmer erforderlich sind, ist die
Synagoge neben der häuslichen Liturgie, wöchentlicher
Festtag absoluter Ruhe der Sabbat (Sonnabend).
Feste
Jahresfeste sind Passah, Laubhüttenfest,
Rosch Haschana (Neujahr), Jom Kippur (Versöhnungstag),
Chanuka (Einweihungsfest, zur Erinnerung an die erneute Weihung
des Tempels im Jahre 163 v.Chr.), Purim.
Ausbildung
Zur Ausbildung gehört im Judentum seit
mehr als zweitausend Jahren die Unterweisung im Schreiben,
Lesen und Rechnen. Diese Fähigkeiten wurden ursprünglich
anhand der Texte der hebräischen Bibel (Tora) erlernt.
Mit etwa zwölf Jahren ist ein jüdischer Junge nach
der Bar Mizwa (wörtl. Sohn des Gebots) religionsmündig.
Bei Mädchen wird die Bath Mizwa gefeiert.
Einhaltung der Gebote
Orthodoxe Juden beachten auch heute noch die
Speisegesetze, das Essen koscherer Speisen, das Schächten
von Schlachttieren und die Einhaltung der rituellen Gebote
sowie die Gebote über die Verhaltensweisen gegenüber
den Mitmenschen.
In Israel selbst gibt es große Diskrepanzen
zwischen orthodoxer Auffassung der Gebotseinhaltung und der
säkularen Praxis, die von vielen geübt wird.
4. Bibel
[griech. biblion Buch]
Als Bibel bezeichnet man die religiöse
Urkunde des Christentums, die "Heilige Schrift des Alten und
des Neuen Testaments". Das Alte Testament ist dabei identisch
mit der Urkunde des jüdischen Glaubens, der hebräischen
Bibel: Es versteht die Geschichte des Volkes Israel als Handeln
Gottes. Im Mittelpunkt des Neuen Testaments steht die Botschaft
von Jesus Christus, dessen Leben, Tod und Auferstehung von
den Christen als endgültiges Heilshandeln Gottes gedeutet
werden.
Von den Anfängen des Christentums bis in
die Neuzeit galt die These von der sogenannten Verbalinspiration
der Bibel: Gott habe, so die Vorstellung, den Autoren der
biblischen Bücher den Wortlaut durch seinen Geist eingegeben.
Im Zuge der Aufklärung entwickelte sich in der Bibelforschung
die historisch-kritische Bibelexegese: Sie untersucht die
geschichtlichen Bedingungen, unter denen die Bücher entstanden
sind; oftmals handelt es sich im einzelnen um längere,
vielfach unklare Entstehungsprozesse. Zudem enthalten die
einzelnen Bücher der beiden Testamente zahlreiche verschiedene
Textgattungen, die auch unterschiedliche theologische Akzente
setzen. Deshalb stellt sich für die Theologie nicht nur
die Frage, ob es einen Kern der biblischen Aussagen (die "Mitte
der Schrift") gibt, sondern auch, wie die biblische Botschaft
unter den Bedingungen der Moderne verstanden werden kann.
In den einzelnen Konfessionen existiert eine
Vielzahl von Bibelübersetzungen und -ausgaben. In der
evangelischen Kirche ist die Übersetzung des Reformators
Martin Luther von 1534 (die Lutherbibel) von Bedeutung, die
zwar nicht die erste deutsche gedruckte Fassung der Bibel
war, aber aufgrund der Verbreitung der Reformation großen
Einfluß gewann. Für den reformierten Zweig ist
die sogenannte "Zürcher Bibel" - ebenfalls in der Reformationszeit
entstanden - wichtig. Die katholische Kirche orientiert sich
heute zumeist an der "Einheitsübersetzung" von 1979,
die gemeinsam von katholischen und evangelischen Theologen
erarbeitet wurde. Die verschiedenen Ausgaben unterscheiden
sich zum einen in der Anordnung und Reihenfolge der einzelnen
Bücher und zum anderen im Umfang: Vor allem manche evangelischen
Ausgaben verzichten auf die Apokryphen, weil diese nicht zum
Bestand des Urtextes gehören.
5. Jesus von Nazareth
Jesus
[von griech. Jesous, Wiedergabe des hebr.-aramäischen
Jeschua (= Jahwe, hilf!)] wurde in späteren christlichen
Quellen Jesus von Nazareth genannt und als der Stifter der
christlichen Religion bezeichnet. Er wird seitdem als Jesus
Christus und Sohn Gottes bezeichnet. Tatsächlich aber
stammte Jesus nicht aus Nazareth, einem Ort, den es zur Zeit
seiner angeblichen Geburt noch gar nicht gab. Sein Beiname
war eigentlich "der Nazoräer", das heißt "Wahrer
des Bundes". Mit dem Beinamen "Nozrei ha-Brit" ("Wahrer des
Bundes") pflegten sich nämlich auch die Essener zu bezeichnen,
zu denen Jesus gehört haben soll bzw. denen er nahegestanden
hat, wenn er nicht gar selbst ein Angehöriger der Zeloten
war, die sich selbst auch für die "Wahrer des Bundes
(mit Gott)" hielten. Und so will es denn auch gar nicht verwundern,
daß das älteste hebräische Wort jener jüdischen
Sekte, die sich auf die Lehren des Rabbi Jeschua ("Jesus")
berief - "Nozrim" war, was übersetzt "Nazoräer"
bedeutet. Auch das arabische Wort für "Christen" ist
"Nasrani". Und diese "Nazoräer", die "Urchristen", scharten
sich nach dem Tod des Rabbi Jeschua um seinen Bruder, Jakobus
den Gerechten, der als Leiter der "Urkirche" in Jerusalem
residierte.
6.
Die Geschichtlichkeit von Jesus, dem Nazoräer
Erstmals in der 2. Hälfte des 19. Jh. leugnete
der Theologe Bruno Bauer offen die historische Existenz von
Jesus, dem Nazoräer. Obwohl Bauer sie anfangs gar nicht
einmal bestritten hatte, erklärte er schließlich
die Entstehung des Christentums aus einer im 2. Jh. erfolgten
Verschmelzung jüdischer, griechischer und römischer
Religionsvorstellungen und sowohl Jesus wie Paulus für
literarische Fiktionen. Diese These kostete Bauer allerdings
seinen Lehrstuhl.
Indessen setzten einige holländische Forscher
den von Bauer eingeschlagenen Weg fort. Und anfangs des 20.
Jh. mehrte sich die Zahl der Forscher, welche die Historizität
der Gestalt des Rabbi Jeschua bestritten und seine Erscheinung
ins Reich der Sage verwiesen. Der erste, der nach dem Theologen
Bauer in Deutschland die Frage verneinend wieder aufgriff,
war der Bremer Pastor Albert Kalthoff. Der führende deutsche
Vertreter dieser Richtung wurde der Karlsruher Philosoph Arthur
Drews.
Die Verneiner der historischen Existenz Jesu
sehen in den Evangelien die Umformung eines Mythos in einen
historischen Bericht, die spätere Personifizierung einer
religiösen Idee. Sie nehmen nicht, wie die gesamte kritische
Bibelforschung, einen geschichtlichen Jesus an, dessen Leben
nachträglich in phantasievollen Wunderberichten und Legenden
verklärt, dessen Gestalt allmählich vergottet worden
ist. Vielmehr setzen sie einen mythischen Gott voraus, den
die Verfasser der Evangelien gleichsam geschichtlich gemacht
und vergegenwärtigt haben. Die Bestreiter eines historischen
Jesus erblicken also in der biblischen Christusgestalt keinen
vergöttlichten Menschen, sondern einen vermenschlichten
Gott.
Der Theologe Hermann Raschke hat seine Anschauungen
zu diesem Thema in dem bekannten Werk "Das Christusmysterium"
zusammengefaßt.
7.
Außerchristliche Quellen
Römische Historiker
Die Geschichtsschreibung zur Zeit des Rabbi
Jeschua, des Nazoräers, kennt diese Gestalt überhaupt
nicht, auch das gesamte 1. nichtchristliche Jahrhundert schweigt
über ihn völlig. Bezeugt wird Jesus indirekt bloß
bei Cornelius Tacitus als "ein gewisser Chrestus, der unter
Kaiser Claudius Nero Tiberius durch den Prokurator Pontius
Pilatus getötet wurde", wobei es wahrscheinlich ist,
daß es sich bei diesem Zitat um einen späteren
Einschub christlicher Fälscher handelt. In dem Zusammenhang
darf man auch nicht außer Acht lassen, daß des
Tacitus Bericht, der um 117, also 90 Jahre nach dem angegebenen
Tod des Jesus "Nazoraios" (so die griechischen Übersetzungen
hebräischer Texte) entstand, auf den im 2. Jh. n.Chr.
umlaufenden Erzählungen basierte, als die Gestalt des
Rabbi Jeschua, sei sie nun historisch oder nicht, durch die
institutionalisierte Kirche bereits in die göttlichte
Gestalt des "Jesus Christus" verwandelt worden war. Obendrein
ist die Datierung von Jesu Geburt in die Zeit des Kaisers
Tiberius nicht aussagekräftig, weil z.B. Plutarch den
mythischen Tod des Pan-Attis ebenfalls unter Tiberius datierte.
Für eine Fälschung des betreffenden Zitats von "Chrestus"
spricht auch, daß der bedeutende Geschichtsschreiber
Suetonius (geb. 65, gest. 135 n.Chr.) ihn mit keiner Silbe
erwähnt. Gleichfalls ignoriert ihn der 111 n.Chr. geschriebene
Brief des Plinius des Jüngeren, der nur ein "Christentum"
erwähnt.
Es gibt auch andere Auffassungen, näheres
WIKIPEDIA
7.
Jüdische Historiker
Besonders bezeichnend ist das völlige Schweigen
sämtlicher jüdischer Historiker über die Gestalt
von Rabbi Jeschus, dem Nazoräer. Flavius Josephus, kurz
nach der angeblichen Kreuzigung Jesu geboren, veröffentlichte
um das Jahr 93 n.Chr. seine von der Weltschöpfung bis
zu Nero führende "Jüdische Altertümer", worin
er alles festhielt, was nach seiner Meinung interessant war.
Doch obwohl Josephus auch Johannes den Täufer, Herodes
und Pilatus nennt und gerade aus dieser Zeit selbst noch die
kleinsten Details des politischen und gesellschaftlichen Lebens
berichtet, übergeht er den Wundertäter Jesus total.
Ebensowenig wie Josephus erzählt der jüdische
Geschichtsschreiber Justus von Tiberias von Jesus. Dies ist
ganz besonders seltsam, weil Justus nicht nur ein Zeitgenosse
des Rabbi Jeschua war, sondern auch ein Landsmann von ihm,
der in Tiberias, nicht weit von Kapernaum wohnte, wo sich
Jesus häufig aufgehalten haben soll. Doch in seiner Chronik,
die von Moses bis in die Jahre reicht, in denen das Johannesevangelium
entstand, tritt kein Jesus auf.
Aber auch der jüdische Gelehrte Philon
von Alexandria, von dem wir rund fünfzig Schriften besitzen,
der ein großer Kenner der Bibel und jüdischer Sekten
war und Jesus um etwa zwanzig Jahre überlebte, weiß
von ihm nichts. Dabei berichtete Philon nicht nur über
die Essener, sondern erwähnt sogar Pilatus. Dagegen wird
auch Paulus weder von Philon noch Josephus je erwähnt.
So stammt das Wissen über Jesus den Nazoräer praktisch
ausschließlich aus dem NeuenTestamente, daß bereits
nur aus der Feder tendenziöser kirchlicher Schriftsteller
herrührte.
8.
Jesus Christus
Begriff
des christlichen Glaubenbekenntnisses
Jesus Christus ist die zentrale Gestalt des
Christentums. Dem Bekenntnis gemäß ist Gott in
der historischen Person Jesus von Nazareth Mensch geworden,
der durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung die Welt
mit Gott versöhnt hat. Deshalb haben ihm die ersten Christen
den Beinamen "Christus" (von gr. christos "der Gesalbte")
gegeben. "Christus" ist die Übersetzung des hebräischen
"Messias". Dieser Ehrentitel meint in der jüdischen Religion
einen Heilsbringer, den die Juden am Ende der Zeiten erwarten.
Die ersten Christen, die dem Judentum angehörten, sahen
in Jesus von Nazareth den endgültigen Messias. Deshalb
hat sich das Christentum vom Judentum gelöst und als
eine eigenständige Religion entwickelt.
Die Entwicklung der Christusgestalt aus dem
Kulte des Dionysos
Dionysos, gestorben und wieder auferstanden
Dionysos [urgriechisch "dyaus sunus" = "Gottes
Sohn"] war - man erinnere sich an die Herkunft des biblischen
Jesus - der Sohn des Zeus und einer sterblichen Frau. Seine
Mutter Semele war während ihrer Schwangerschaft voll
ähnlichen Enthusiasmusses wie Maria im Evangelium des
Lukas, und wie die Begeisterung der Semele sich auf andere
übertrug, so auch die der Maria. Dionysos war ein Freudenbringer,
aber auch ein leidender, sterbender und wieder von den Toten
auferstehender Gott. In Delphi wurde sogar sein Grab gezeigt.
9.
Kanon (Verzeichnis)
Kanon [griech. = Richtschnur].
In der Bibelwissenschaft meint Kanon das Verzeichnis
der für den Glauben maßgeblichen biblischen Bücher.
Der Kanon des Alten Testaments lehnt sich an die hebräische
Bibel des Judentums an; er wurde vermutlich im 1. Jahrhundert
n.Chr. festgelegt. Eine Sonderstellung bezüglich der
biblischen Schriften nehmen dabei die Apokryphen ein. Die
Entscheidung, welche Schriften den Kanon des Neuen Testaments
bilden sollten, war erst im 4. Jahrhundert endgültig
abgeschlossen. Die Bildung des christlichen Kanons war - neben
der Entstehung kirchlicher Ämter und der Formulierung
von Bekenntnissen - ein wichtiges Element, um das noch junge
Christentum als institutionalisierte Religion zu festigen.
10. Kirche
Kirche [von griech. kyriake = zum Herrn gehörig]
meint im Christentum die Gemeinschaft der Gläubigen.
Nach katholischer Auffassung ist die Kirche ein Heilsinstitut
(alleinseligmachende Kirche), nach evangelischer Auffassung
sind Merkmale der Kirche die Verkündigung des Evangeliums
und die Ausübung der Sakramente in Übereinstimmung
mit dem Evangelium, in reformierten Kirchen darüber hinaus
die Innehaltung kirchlicher Zucht. Charakteristisches Merkmal
der orthodoxen Kirche ist der starke Bezug auf Christus und
das Verständnis, als Kirche der eine Leib Christi zu
sein.
Als soziale Erscheinung bringt die Kirche gemeinsamen
Glaubensbesitz zum Ausdruck in Lehre (Dogmatik), Kultusgemeinschaft
(Liturgie), sozialer Vorsorge (Diakonie), moralischer und
geistlicher Erziehung (Pastorat) und Berufung für die
Welt (Apostolat, Mission) mit einer charakteristischen Organisationsform
und eigenem Status innerhalb der Gesellschaft.
Als "Haus des Herrn" meint "Kirche" auch das
Gottesdienstgebäude als Versammlungsort der Gemeinde
11. Bekenntnis
Bekenntnis, Bezeugung des Glaubens (auch credo),
allgemein für Glaubensinhalte konfessioneller Gemeinschaften.
Das Bekenntnis ist in der Alten Kirche wichtig,
weil sich am Bekenntnis die Rechtgläubigkeit entscheidet.
Im Rahmen der Abgrenzung zu den Andersdenkenden werden Bekenntnisse
als präzise Formulierung des rechten Glaubens verstanden.
Die Annahme eines Bekenntnisses kommt damit einer Zugehörigkeit
gleich. Bekenntnisse dienen daher zur Vergegenwärtigung
des eigenen Glaubens und zur Abgrenzung gegen andere Glaubensrichtungen.
Im Rahmen der Kirchengeschichte haben die Bekenntnisse
der Alten Kirche eine besondere Bedeutung. Sie wurden in der
Regel von Konzilien verabschiedet, so das Nicänum auf
dem Konzil von Nicäa 325 n.Chr. oder das Chalcedonense
auf dem Konzil von Chalcedon 451 n.Chr. Diese Bekenntnisse,
die die wichtigsten christlichen Dogmen (u.a. Trinität)
festlegen, werden als verbindliche Tradition von den Protestanten
akzeptiert. Auf diese Weise stehen katholische und protestantische
Kirche auf den gleichen Glaubensgrundlagen. Das Apostolikum
(Apostolisches Glaubensbekenntnis) aus dem 3. bzw. 4. Jahrhundert
n.Chr. wird bis heute in den Gottesdiensten gesprochen.
Bekenntnisschule
Bekenntnisschulen sind Schulen, in der nur Schüler
einer Konfession von Lehrern gleicher Konfession unterrichtet
werden, im Unterschied zur Gemeinschaftsschule. Die Bekenntnisschule
ist nur bei Grund- und Hauptschulen auf Wunsch der Eltern
möglich.
12.
Geschichte des Christentums
Mission (Kirche)
Mission [lat.], die Aussendung von Missionaren
zur Verbreitung einer religiösen Lehre.
Die Mission im Christentum läßt sich
zurückführen auf den sogenannten "Missionsbefehl"
Christi (Matthäus 28,19): Der Überlieferung zufolge
sendet der auferstandene Jesus Christus seine Jünger
als Apostel aus, damit sie aller Welt das Evangelium verkündigen.
Von großer Bedeutung waren die Missionsreisen des Paulus;
durch ihn gelangte das Christentum über den Raum Israels
hinaus nach Kleinasien (der heutigen Türkei), Griechenland
und nach Rom. Mit der Anerkennung des christlichen Glaubens
als römischer Staatsreligion im 4. Jahrhundert n.Chr.
war der Grundstein gelegt für die Missionierung der europäischen
Völker: Europa wurde im Mittelalter zum "christlichen
Abendland".
Im Verlauf der Kirchengeschichte bedeutete Mission
oftmals die brutale Ausrottung fremder Kulturen und Religionen
- vor allem während des Kolonialismus in Afrika, Asien
und Amerika; deshalb wird der Begriff heute mit Zurückhaltung
gebraucht.

13.
Christenverfolgungen
Die Versuche verschiedener römischer Kaiser
in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten, das Christentum
zu unterdrücken oder gar auszurotten.
Der ersten Christenverfolgung in Rom unter Nero
im Jahr 64 fielen vermutlich die beiden Apostel Petrus und
Paulus zum Opfer. Im Jahre 249 versuchte der Kaiser Decius,
die Christen auf den Staatskult zu verpflichten. Die letzte
große Christenverfolgung fand in den Jahren 299-311
unter Kaiser Diokletian statt.
Gefährlich für die römischen
Kaiser war das Christentum deshalb, weil der Glaube an den
christlichen Gott die Verehrung des Kaisers als göttliches
Wesen ausschloß.

14. Konstantin
I. (Rom)
Konstantin I.
Flavius Valerius Constantinus, Konstantin I.,
der Große (geb. ca. 288, gest. 337), der erste christliche
Kaiser des Römischen Reichs.
In Britannien, wo er seinen Vater Constantius
I. auf einem Feldzug begleitete, wurde er nach dessen Tod
von den Truppen zum Kaiser ausgerufen (306). Als er seinen
Rivalen um den Thron (s. Tetrarchie) Maxentius im Jahr 312
bei Rom bekämpfte, soll er ein Kreuz am Himmel gesehen
und die Worte "In hoc signo vinces" [lat. für "Unter
diesem Zeichen wirst du siegen"] gehört haben. In der
Schlacht an der Milvischen Brücke in der Nähe von
Rom brachte Konstantin seinem Gegner die entscheidende Niederlage
bei und trat zum christlichen Glauben über. Im Toleranzedikt
von Mailand verkündete er gemeinsam mit seinem Mitregenten
Licinius im Jahr 313, daß alle Christen die gleichen
Rechte wie die Anhänger anderer Religionen hätten,
ferner gestattete er ihnen die freie Religionsausübung
und gab den während der Christenverfolgungen eingezogenen
Besitz an die Christen zurück. Aus der Rivalität
mit Licinius erwuchs ein Machtkampf, aus dem Konstantin erst
324 endgültig als Alleinherrscher hervorging und das
Reich wieder einte. Zudem bemühte er sich um eine Einigung
der christlichen Glaubensvorstellungen: Im Jahr 325 berief
er das Konzil zu Nicäa ein, das die Glaubensfrage um
den Arianismus klären sollte. Das Zentrum seiner Herrschaft
verlegte er in den Ostteil seines Reichs, wo er 330 n.Chr.
Konstantinopel als neues Rom gründete. Erst kurz vor
seinem Tod am 22. Mai 337 empfing Konstantin die Taufe.
15. Schisma
Schisma [griech. = Spaltung], das, Mz. die Schismen,
Kirchenspaltung (nicht Glaubensspaltung).
Das "Morgenländische Schisma" im Jahre
1054 bedeutete die Trennung der Ostkirche von der römisch-katholischen
Kirche. Das "Große abendländische Schisma" meint
die Situation des Papsttums von 1378 bis 1417, als ein
Papst und ein bis zwei Gegenpäpste regierten.
16. Katholische
Kirche
Katholische
Kirche [von griech. katholos = allgemein], römisch-katholische
Kirche.
Seit dem Schisma von 1054, das die Entstehung
der orthodoxen Ostkirche nach sich zog, und der Reformation
bezeichnet der Begriff "katholisch" im allgemeinen die römisch-katholische
Konfession innerhalb des Christentums. Ursprünglich bezog
sich der Begriff auf die weltumspannende Christenheit.
Die römische Kirche sieht sich in einer
Traditionslinie, die mit dem Apostel Petrus, dem angeblich
ersten Bischof von Rom, ihren Anfang genommen hat. Er soll
- dem Matthäus-Evangelium (Kap. 16) zufolge - von Jesus
Christus den Auftrag erhalten haben, die Kirche zu gründen.
Der Papst gilt in der römisch-katholischen Kirche als
der Nachfolger des Apostels. Diese zentrale Stellung des Papstes
und die daraus resultierende hierarchische Verfassung der
katholischen Kirche mit der Betonung des Lehramts ist einer
der Unterschiede zwischen den Konfessionen. Hinzu kommen unterschiedliche
Auffassungen über das Abendmahl.
Die katholischen Gottesdienste sind stark von
sinnlichen und ästhetischen Elementen geprägt. Dementsprechend
sind auch die Kirchengebäude oft prächtig ausgestattet.
In der Gegenwart ist die katholische Kirche
vor allem in den Ländern der sogenannten Dritten Welt
- Afrika und Südamerika - stark vertreten. Hier gibt
es den Versuch, die Botschaft der Kirche mit dem Kampf um
Verbesserung der politischen und sozialen Situation zu verbinden.
17.
Orthodoxe Kirche
Begriff
Als orthodoxe [griech. = "rechtgläubig"]
Kirche (Ostkirche) bezeichnet man eine Gemeinschaft von Schwesternkirchen
in Osteuropa und im Vorderen Orient, so vor allem die griechisch-orthodoxe
und die russisch-orthodoxe Kirche. Sie hat sich seit der Frühzeit
des Christentums relativ eigenständig in Hinsicht auf
die Lehre, Organisation und den Kult entwickelt. Sie ist aus
der byzantinischen Reichskirche hervorgegangen und erkennt
die von ihr festgelegten Dogmen an. Die endgültige Trennung
von der westlichen (der späteren römisch-katholischen)
Kirche erfolgte durch das Schisma im Jahre 1054 n.Chr.
Als wichtige Schriften gelten neben der Heiligen
Schrift (Bibel) die Bekenntnisse bis 787 n.Chr. (letztes ökumenisches
Konzil). Die orthodoxe Kirche besteht aus einzelnen autokephalen
Kirchen wie der griechischen, russischen, bulgarischen und
serbischen. Der orthodoxe Kultus dient der Vergegenwärtigung
der Heilsgeschichte und dem Empfang des Heilguts.
Die Liturgie der orthodoxen Kirche
In der orthodoxen Liturgie wird das Heilsgeschehen
von der Inkarnation bis zur Aussendung des Heiligen Geistes
in zahlreichen symbolischen Zeichen und Handlungen anschaulich
gemacht. In keinem Gottesdienst darf der Weihrauch fehlen,
er gilt nämlich als Wehen des Heiligen Geistes. Eigentliches
Eingangstor in das Mysterienwesen der Kirche ist die Taufe,
von den griechischen Kirchenvätern mit symbolischen Bezeichnungen
versehen wie "Lösegeld von der Gefangenschaft", "Tod
der Sünde", "Wiedergeburt der Seele", "Aufstieg zum Himmel".
Der Taufbewerber hat die den alten Menschen versinnbildlichenden
Oberkleider abgelegt und steht in der Vorhalle der Kirche
nach Osten, der Gegend des Sonnenaufgangs, gewandt.
In noch stärkerem Maße als in der
katholischen Kirche gilt das Mysterium der Eucharistie als
Zusammenfassung ("recapitulatio") der gesamten Heilsgeschichte.
Obwohl die orthodoxe Kirche keine allgemein verbindliche Lehre
über das Altarsakrament besitzt, sind die Wandlung von
Brot und Wein in Leib und Blut Christi und der Charakter eines
"unblutigen Opfers" unbestritten. Die Symbolsprache des liturgischen
Gestus zeigt sich deutlich, wenn der Priester die Worte spricht:
"Das ist mein Leib, das ist mein Blut" und dabei ehrfürchtig
die rechte Hand erhebt, während der Diakon auf Brot und
Kelch zeigt. Die vom Priester vollzogene Brechung des heiligen
Brotes ist Symbol des Opfertodes, die Vereinigung eines Teils
mit dem Wein im Kelch als "Mischung" ist Hinweis auf die Auferstehung.
Die in der katholischen Kirche für Laien übliche
Kommunion unter einer Gestalt wird scharf abgelehnt. Das heilige
Abendmahl wird von den Kommunikanten stehend empfangen, um
so ihre Auferstehung mit Christus anzudeuten.
Das Osterfest als zentrales Fest der orthodoxen
Kirche
In der orthodoxen Kirche gelten die Feste nicht
nur als Gedenkfeiern, sondern sind zugleich geheimnisvolle
Handlungen, "Christophanien". Das menschliche Leben des Erlösers
wiederholt sich in der Kirche wie ein allgemeines, universelles,
grundlegendes, allerschöpfendes Faktum. Höhepunkt
des Kirchenjahrs ist das Osterfest, das um Mitternacht beginnt.
Priester und Diakone ziehen zunächst unter Gesang aus
der Kirche, umschreiten diese, nach der Beweihräucherung
der Ikonen stellt sich der zelebrierende Priester mit nach
Osten gewandtem Gesicht vor die große, verschlossene
Kirchentür und singt dreimal: "Christus ist auferstanden
von den Toten ...", dreimal vom Chor wiederholt, bis sich
schließlich das Portal öffnet und der Priester
an der Spitze der Prozession aus dem nächtlichen Dunkel
in das hell erleuchtete Gotteshaus einzieht und den hier wartenden
Gläubigen zuruft: "Christus ist auferstanden!" Nach altkirchlicher
Überlieferung ist jeder Sonntag ein Abbild des Osterfestes
und heißt deshalb in der liturgischen Sprache "Auferstehung"
(russisch "voskresenje").
Anlage und Gebäudeform der orthodoxen Kirche
Das orthodoxe Kirchengebäude enthält
symbolisch die ganze Welt, von dem in der Kuppel dargestellten
Christus als Weltbeherrscher ("Pantokrator") überragt.
Die Kreuzform der Kirche erinnert an den Tod am Kreuze. Das
Hauptthema der Symbolik des orthodoxen Kirchengebäudes
wie auch der Ikone ist einerseits die Erniedrigung des Wortes
Gottes (sein Herniedersteigen zu den Menschen) und das erlösende
Opfer, andererseits die Verklärung des Menschen und mit
ihm der ganzen sichtbaren Welt. Das Gebäude ist sinnbildlicher
Ausdruck dessen, was nicht unmittelbar darstellbar ist, nämlich
die Gesamtkirche, der mythische Leib Christi. In der Dreiteilung
des Kirchenbaus - Vorhalle, Schiff und Altarraum - kann man
eine Andeutung der Dreifaltigkeit erblicken. Der Altarraum
wird vom Kirchenschiff durch die Bilderwand ("Ikonostase")
getrennt, sie ist nach den Kirchenvätern die Grenze zwischen
der göttlichen und der menschlichen Welt. Die mittlere
Tür, die heilige Pforte, mit Darstellungen der Evangelisten
und der Verkündigung Mariä, ist Sinnbild des Eingangs
in das Reich Gottes, das der Altarraum mit dem Altar in der
Mitte darstellt. Auf der Wand hinter bzw. über dem Altar
befindet sich eine Abbildung der Gottesgebärerin ("Theotokos").
18.
Reformation (Kirche)
Philipp Melanchthon
Reformation [lat.=Umgestaltung], die große
religiöse Bewegung des 16. Jahrhunderts, die zur Entstehung
des Protestantismus und der konfessionellen Spaltung der abendländischen
Kirche führte.
Voraussetzungen
Reformgedanke und Konzilsbewegung
Der Wunsch nach einer Reform der Kirche an "Haupt
und Gliedern" war seit Jahrhunderten lebendig gewesen. Auch
das Papsttum, das durch das Schisma im 14. Jh. und durch seinen
zunehmend weltlichen Regierungsstil in Mißkredit geraten
war, stand schon seit längerer Zeit in der innerkirchlichen
Kritik. Seit dem 14. Jh. hatte die sogenannte Konzilsbewegung,
vornehmlich getragen von Bischöfen, darauf gedrängt,
das allgemeine Konzil als die oberste Instanz der Kirche anzusehen
und auch den Papst dessen Entscheidungen zu unterwerfen.
Daneben waren im späten Mittelalter auch
Ketzerbewegungen (wie die Katharer) und Bettelorden (wie die
Franziskaner) aus Protest gegen den Reichtum und die Verweltlichung
der Amtskirche entstanden. Sie hatten neue religiöse
Formen geschaffen, die auf die Entstehung von unabhängigen
sektiererischen Glaubensbewegungen im Zuge der Reformation
wirkten.
19. Geistige Voraussetzungen
Geistig vorbereitet wurde die Reformation durch
die Auflösung der Scholastik und deren Kritik durch den
Humanismus. Vor allem aber war eine sehr weit verbreitete
Verunsicherung und Angst der Menschen um ihr ewiges Heil eine
wesentliche Voraussetzung der Reformation. Gott erschien ihnen
vor allem als der rächende und verdammende Richter des
Jüngsten Gerichts. Die Menschen versuchten, ihn durch
Anrufung von Heiligen, Wallfahrten, Sammeln von Reliquien
oder Kauf von Ablaßbriefen, die ihnen zu Beginn des
16. Jahrhunderts von den Ablaßpredigern quasi als Eintrittskarte
in den Himmel verkauft wurden, gnädig zu stimmen. Auch
Martin Luther wurde jahrelang von der quälenden Frage,
wie er sich vor Gott rechtfertigen und so der ewigen Verdammnis
entgehen könne, gepeinigt, bis er darauf seine "evangelische"
Antwort fand.
Für die rasche Verbreitung der Reformation
war darüber hinaus die Erfindung des Drucks mit beweglichen
Lettern durch Johannes Gutenberg eine wichtige Voraussetzung,
da erst dadurch die große Anzahl von Druckwerken hergestellt
werden konnte, die das reformatorische Denken überallhin
verbreiteten.
20. Die Reformation
Die
Grundgedanken
Hauptgrundsatz der Reformation ist die Rechtfertigung,
die Annahme des sündigen Menschen durch Gott, allein
durch den Glauben (sola fides). Der Gläubige kann sich
in seinem Glauben durch die Bibel bestärken, die ihm
daher eine wesentliche, aber auch die einzige Stütze
ist (sola scriptura). Doch der Mensch, der ein sündiges
Wesen ist, bleibt dabei auf die Gnade Gottes angewiesen, die
er nicht durch sein Handeln (gute Werke) positiv beeinflussen
kann (sola gratia).
Aus dieser Vorstellung heraus sah Luther die
spätmittelalterliche Werkfrömmigkeit und insbesondere
ihre Pervertierung durch den Ablaßhandel als gefährlich
für das Seelenheil der Menschen an, und so begann er
mit seinen 95 Thesen eine innerkirchliche und theologische
Diskussion, die sich erst durch die Reaktion der Amtskirche
zur fundamentalen Auseinandersetzung und zur Spaltung weitete.
21. Die Verbreitung
Die Reformation verbeitete sich, zunächst
vor allem in Deutschland, sehr schnell, da Luther dem allgemeinen
Unbehagen und der Kritik an der Kirche im Zuge der sich verschärfenden
Auseinandersetzung deutlichen Ausdruck verlieh, aber vor allem
deshalb, weil er eine neue Antwort gefunden hatte, bei der
das Heil der Menschen nicht mehr von der reformunwilligen
Kirche abhing.
Daneben erhielt die Reformation auch bald nach
ihrer Annahme durch einzelne Landesfürsten eine politische
Bedeutung sowie eine sozialrevolutionäre Dimension, die
in den Ritter- und Bauernkriegen zum Ausdruck kam.
Gegen solche von ihm nicht beabsichtigte und
auch nicht gebilligte revolutionäre Tendenzen setzte
Luther zur Durchsetzung der Reformation verstärkt auf
die Landesfürsten (Entstehung der Landeskirchen). Sie
waren es dann auch, die 1555 die erste Anerkennung der lutherischen
Reformation durch den Augsburger Religionsfrieden erreichten.
Luthers Denken wurde von anderen Reformatoren
aufgegriffen und weiterentwickelt, insbesondere von Johannes
Calvin und Huldrych Zwingli, gegen die Luther nun auch seine
eigene Lehre abzugrenzen begann. So formulierten die unterschiedlichen
Richtungen ihre Bekenntnisse, und es kam zur Bildung von Konfessionen.
Das Entstehen der Konfessionen
22. Die lutherische
Konfession
Der Inhalt des lutherischen Bekenntnisses wurde
1530 in der Confessio Augustana von Philipp Melanchthon
formuliert. Dieses Bekenntnis war die Grundlage für Religionsgespräche,
durch die Kaiser Karl V. hoffte, die Einheit der Kirche doch
noch wiederherstellen zu können. Sie diente aber auch
der Abgrenzung gegen andere protestantische Richtungen wie
den Calvinismus. Die lutherische Konfession wurde 1555 im
Augsburger Religionsfrieden reichsrechtlich anerkannt und
der katholischen gleichgestellt.
23. Die reformierte
Konfession
Calvin und Zwingli entwickelten Luthers Lehre
weiter und gaben ihr eine eigene Prägung, insbesondere
in bezug auf die Bedeutung des Abendmahls und die Vorherbestimmtheit
der göttlichen Auserwählung (Prädestinationslehre).
Eine Einigung mit der lutherischen Lehre wurde nicht erzielt,
und so entstand eine zweite evangelische Konfession, die sich
auch durch eine größere Radikalität auszeichnete
(Bildersturm). Sie setzte sich vor allem in der Schweiz, in
den Niederlanden, Schottland und (neben der anglikanischen
Kirche) in England durch und errang durch die stark calvinistische
Besiedlung Nordamerikas (Puritaner) Weltgeltung. Auch in Frankreich
fand sie zunächst zahlreiche Anhänger, die Hugenotten,
konnte sich aber kaum dauerhaft durchsetzen.
Die anglikanische Kirche
Eine besondere Entwicklung nahm die Reformation
in England. Hier kam es durch eine Auseinandersetzung Heinrichs
VIII. mit Papst Klemens VII. über die Auflösung
seiner Ehe zur Gründung einer eigenen Kirche. Dabei setzte
sich hier vor allem die in vielen europäischen Ländern
vorhandene staatskirchliche Tendenz durch, also eine engere
Bindung der Kirche an den eigenen Staat durch eine Lockerung
bzw. in diesem Fall Auflösung ihrer Bindung an den römischen
Papst (vgl. Gallikanismus in Frankreich). Der englische König
wurde zum Oberhaupt dieser anglikanischen Kirche, die nicht
in Austausch mit den übrigen reformatorischen Strömungen
trat.
24. Die katholische
Konfession
Auch die alte Kirche formulierte ihr Bekenntnis
in bewußter Abgrenzung gegen die Reformation neu und
erhielt so selbst ein konfessionelles Gesicht. Dies geschah
auf dem Trienter Konzil (1445-1463), auf dem sowohl die dogmatischen
Positionen festgelegt als auch eine Reform der Kirche in Gang
gebracht wurden. Damit war die Gegenreformation eingeleitet,
durch die die katholische Kirche viel verlorengegangenes Terrain
und Ansehen zurückgewann.
Nebenströmungen
Neben den Konfessionen bildeten sich im Gefolge
der Reformation auch Glaubensgemeinschaften, die eher in der
Tradition der spätmittelalterlichen Ketzerbewegungen
standen und die jegliche dogmatische Prägung ablehnten
(vgl. z. B. Sebastian Franck). Sie waren häufig geprägt
von einem starken Auserwählungsbewußtsein und einer
apokalyptischen Endzeiterwartung. Dies äußerte
sich in einigen Fällen, wie zum Beispiel bei den Wiedertäufern
um Thomas Müntzer oder dem Wiedertäuferreich in
Münster, in extremer Radikalität und gewaltsamem
Fanatismus. Meistens schlossen sich diese Gruppierungen aber
von der übrigen Welt ab und entwickelten einen eigenem
Lebensstil. Manche leben bis heute als sogenannte Freikirchen
fort.
Bedeutung
Die Reformation gab dem Christentum in Europa
neue Kraft und Wirksamkeit, löste aber zugleich eine
Epoche heftigster Spannungen und gewalttätiger konfessioneller
Auseinandersetzungen mit Glaubenskriegen (z. B. Schmalkaldischer
Krieg, Hugenottenkriege und Dreißigjähriger Krieg)
aus, die daher auch als konfessionelles Zeitalter bezeichnet
wird. Nachdem weder eine Reformation der Gesamtkirche noch
eine Überwindung der Reformation gelungen war, mußte
das abendländische Europa lernen, mit der Koexistenz
unterschiedlicher Weltanschauungen zu leben. Nach einem langwierigen
Prozeß setzte sich allmählich über die Idee
der Toleranz der moderne Pluralismus durch. Ein Zug zum Subjektivismus,
in diesem Fall das Recht des einzelnen, zu glauben und zu
handeln nach bestem Gewissen, war bereits im lutherischen
Denken angelegt, erstarrte dann aber auch auf protestantischer
Seite in konfessioneller und dogmatischer Fixierung.
Die Reformation und ihre Wirkung bis in die
heutige Zeit hinein ist kaum zu überschätzen. In
ihrem Beginn 1517 wird daher auch häufig der Anfang der
Neuzeit gesehen.
25. Dreifaltigkeit
Dreifaltigkeit heißt die Vorstellung von
Gott als dreigegliederter Einheit oder von drei göttlichen
Personen, die zusammen eine Einheit bilden. Diese Vorstellung
ist nicht auf den Bereich des christlichen Glaubens beschränkt,
sondern findet sich in fast allen Religionen. Die trinitarische
Symbolwelt ist teilweise kultur- und religionsübergreifend
und gehört zum allgemeinen Menschheitsgut. Zur symbolischen
Veranschaulichung benutzte man häufig dreigeteilte Figuren
oder drei zu einer Einheit zusammengefaßte Einzelsymbole.
26. Die Dreifaltigkeit
in Indien und Ägypten
Im Hinduismus gibt es als Götterdreiheit
(Dreifaltigkeit) die "Trimurti". Brahma, Vishnu und Shiva
bilden als Schöpfer, Erhalter und Zerstörer von
Welt und Leben eine Dreieinheit (als Götterbild mit drei
Köpfen dargestellt). Die Ägypter kannten eine ganze
Reihe von solchen Dreieinigkeiten oder Göttertriaden,
die vor allem seit dem Neuen Reich als Einheit in Dreiheit
verstanden wurden, wenn auch mehr als Trinität der Götter
denn als Trinität Gottes.
Die "Triaden" hatten meist eine hauptsächliche
Kultstätte. In Theben (Ägypten) z.B. verehrte man
den Gott Amun, seine Gemahlin Mut und ihren Sohn, den Mondgott
Chons. Auch Isis, Osiris und Horus bilden eine Familie, die
nach einem Bericht bei Plutarch durch die drei Seiten des
rechtwinkligen Dreiecks symbolisiert wurde. Von Amun, Re und
Ptah heißt es im Leidener Amunhymnus am Ausgang des
14. Jh. v.Chr.: "Drei sind alle Götter - Amun, Re und
Ptah, keinen gibt es ihresgelichen. Verborgen ist sein Name
als Amun, als Re wird er wahrgenommen, sein Leib ist Ptah".
Auf einem dreieckigen Amulett ägyptischen Ursprungs des
1.-2. Jh. n.Chr. findet sich die trinitarische Formel: "Einer
ist Bait, einer ist Hathor, einer Achori, eins ist ihre Kraft.
Sei mir gegrüßt, Weltvater, sei mir gegrüßt,
dreigestaltiger Gott".
Dreineinige Götter im antiken Griechenland
Im antiken Griechenland begegnen uns sowohl
zahlreiche Göttertriaden als auch in sich dreigestaltige,
dreiköpfige oder dreiäugige Götter. Hekate,
die Göttin der Unterwelt, wurde sowohl dreigestaltig
als auch dreiköpfig dargestellt, ebenso der Riese Geryon
und der Höllenhund Kerberos. Hier zeigen sich auch starke
Beziehungen der Trinität zum unterweltlichen und dämonischen
Bereich, also eine Trinität Chthonischer Gottheiten.
Das dreifaltige Wesen von Zeus drückt sich einerseits
in seinen verschiedenen anderen Göttern zu Triaden aus,
andererseits in seiner öfters erwähnten und dargestellten
Dreiäugigkeit.
27. Die christliche
Dreifaltigkeit
Das
christliche Dogma von der Dreifaltigkeit wurde erst im 4.
und 5. Jh. n.Chr. auf frühchristlichen Grabsteinen in
Verbindung mit dem Christusmonogramm symbolisch dargestellt.
Das Christusmonogramm kann dabei an der oberen Spitze des
Dreiecks stehen oder dem Dreieck eingeschrieben sein. Vielleicht
ist das Dreieck aber auch nur ornamental verwendet. Augustinus
Aurelius wandte sich gegen die Symbolisierung der Trinität
durch das Dreieck bei den Manichäern und verhinderte
so auf viele Jahrhunderte hinaus das Eindringen des Dreiecks
in die christliche Symbolwelt und Kunst. Auf Dauer allerdings
konnte diese Entwicklung dadurch nicht verhindert werden.
Aus dem 11. Jh. stammt eine Miniaturmalerei
des Regensburger Uta-Evangeliars mit einem goldenen Dreieck,
in das die Hand Gottes eingezeichnet ist. Die Deutung des
Dreiecks als Trinitätssymbol ist zwar nicht ausdrücklich
ausgesprochen, aber doch naheliegend. Ein Hinweis auf die
trinitarische Bedeutung dieses Dreiecks ist in der dreifachen
Beischrift über Eigenschaften Gottes sowie in den das
Dreieck umgebenden drei konzentrischen Kreisen gegeben. Später
wurde das Dreieck oft mit dem Auge oder dem Namen Gottes verbunden
dargestellt.
28. Die Dreifaltigkeit
in der religiösen Kunst
Eine symbolische Wiedergabe der Dreifaltigkeit
durch eine menschliche Gestalt mit drei Leibern oder drei
Köpfen oder einem Kopf mit drei Gesichtern gibt es nicht
nur in den nichtchristlichen Religionen (z.B. bei den Kelten),
sondern auch in der christlichen Kunst. Die älteste Darstellung
der Dreifaltigkeit dieses Typs in Gestalt eines dreiköpfigen
Mannes entstand im 8.-9. Jh. n.Chr. als Wandmalerei in einer
kleinen Kirche in Abd el Gadir in Nubien. Im Abendland setzen
ähnliche Darstellungen und Dreigesichtsbilder erst im
13. und 14. Jh. n.Chr. ein Aus dem organischen Bereich stammen
Symbolisierungen der Trinität als drei Fische, als dreiblättriges
Kleeblatt, als drei Vögel, drei Löwen, drei mit
den Ohren zusammengewachsene, im Kreise laufende Hasen (Paderborner
Dom).
Bei der seit dem frühen Mittelalter auftretenden
"Hetoimasia" sind die drei göttlichen Personen entweder
durch drei Symbole charakterisiert, z.B. der Vater als Hand
oder Thron, der Sohn als Lamm, Kreuz oder Evangelienbuch und
der Heilige Geist als Taube oder durch eine menschliche Gestalt,
sei es Vater und Sohn, mit zwei Symbolen für die anderen
beiden Personen, z.B. die Figur Christi mit Hand und Taube.
In der Barockzeit entstanden die sogenannten Dreifaltigkeitsringe.
Es handelte sich um eine ringförmig angeordnete dreifache
Spirale aus Gold, Silber, Elfenbein, Messing, Eisen, deren
einzelne Windungen sich nicht berührten. Dadurch sollte
sowohl die Einheit als auch die Verschiedenheit der drei göttlichen
Personen dargestellt werden.
29. Altes Testament
Das Alte Testament (AT) ist der erste Teil der
christlichen Bibel und entspricht im Umfang (wenn auch nicht
in der Abfolge der Schriften) der hebräischen Bibel des
Judentums. Theologisch wird das AT gedeutet als Schilderung
der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel. Der Name soll
die Verbindung und den Unterschied zum Neuen Testament andeuten,
das mit der Botschaft von Jesus Christus den Kern des christlichen
Glaubens enthält.
Aufbau und Inhalt
Das AT besteht aus drei großen Teilen,
der Tora ("Weisung"), den "Propheten" und den "Schriften".
30. Tora
Die Tora oder der Pentateuch ("Fünf Bücher
Mose") umfaßt die Bücher Genesis, Exodus, Leviticus,
Numeri und Deuteronomium. In der Tora werden die Erschaffung
der Welt und die "Urgeschichte", die Geschichten der Erzväter,
der Auszug aus Ägypten und die Gabe des jüdischen
Gesetzes berichtet.
31. "Propheten"
Die "Propheten" umfassen die "Vorderen (Frühen)
Propheten" (Josua-Buch, Richter-Buch, 1. und 2. Buch Samuel,
1. und 2. Buch der Könige) sowie die "Hinteren (Späteren)
Propheten" Jesaja, Jeremia, Ezechiel (Hesekiel) und das Zwölfprophetenbuch
(Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zephanja,
Haggai, Sacharja und Maleachi).
Die "Vorderen Propheten" enthalten die theologische
Deutung der Landnahme Israels und der Geschichte der jüdischen
und israelitischen Königreiche bis zu deren endgültiger
Zerstörung 587 v.Chr. (Babylonisches Exil). Die "Hinteren
Propheten" sind eine Mischung aus Geschichtsbüchern und
prophetischer Verkündigung.
"Schriften"
Die Schriften umfassen das Buch der Psalmen,
das Buch Hiob, das Buch der Sprüche, die fünf Megillot
("Festrollen") Ruth, Hohes Lied, Kohelet, Klagelieder und
Ester, das Buch Daniel und das sogenannte chronistische Geschichtswerk
(Esra, Nehemia, 1. und 2. Buch der Chronik). Sie enthalten
poetische Bücher, Erzählungen und Geschichtswerke.
In den "Festrollen" finden sich wichtige Texte für jüdische
Feste und Feiern.
32. Entstehung
Der geschichtliche Entstehungsprozeß vollzog
sich als Entwicklung von mündlicher Überlieferung
hin zur Verschriftlichung und umfaßte einen Zeitraum
von ca. 1.000 Jahren. Im einzelnen ist der Ablauf in der Forschung
umstritten, etwa die Frage, zu welchem Zeitpunkt die einzelnen
Schriften zu größeren Einheiten zusammengefaßt
wurden. Die endgültige Festlegung des Umfangs der hebräischen
Bibel, des Kanons, den das Christentum dann als AT übernommen
hat, erfolgte wohl gegen Ende des 1. Jahrhunderts n.Chr.
33. Bedeutung
In der christlichen Theologie wurde das AT lange
Zeit gewissermaßen als Vorstufe des Neuen Testaments
angesehen: Die Geschichte des Volkes Israel habe die Offenbarung
Jesu Christi vorbereitet; diese könne somit als Erfüllung
alttestamentlicher Verheißungen gelten. Weil dies aber
vielfach eine Abwertung der hebräischen Bibel der Juden
bedeutete - unter anderem eine Ursache des Antisemitismus
-, betrachten heute viele Christen das Alte Testament als
gleichrangig zum Neuen und sprechen deshab vom "Ersten Testament".
Unzweifelhaft ist, daß der Jude Jesus von Nazareth auf
dem Boden der hebräischen Bibel stand. Umstritten ist,
inwiefern Jesus seine Botschaft als konsequente Auslegung
oder als Aufhebung der jüdischen Tora verstand.
34. Psalmen
Psalmen [griech.], geistliche Lieder, gleichnamiges
Buch in der Bibel (Altes Testament).
Psalmen sind Lieder und Gedichte, die bestimmte
formale Merkmale aufweisen, etwa die parallele Anordnung einzelner
Satzteile. Im alttestamentlichen Buch der Psalmen, das auch
Psalter genannt wird, sind 150 solcher Texte zusammengefaßt.
Das Buch der Psalmen
Der Psalter läßt sich in fünf
Bücher unterteilen, die jeweils mit einem Lobpreis Gottes,
einer sogenannten Doxologie, enden (Ps 41; Ps 72; Ps 89; Ps
106; Ps 150).
Inhaltlich kann man verschiedene Gattungen unterscheiden,
so etwa Klagelieder (z.B. Ps 22), Danklieder (z.B. Ps 30),
Vertrauenspsalmen (z.B. Ps 23) oder Hymnen (Ps 8). Sie sind
jeweils nach bestimmten Kriterien gestaltet.
Die Entstehung der Psalmen ist historisch unklar.
Die Tatsache, daß viele der Lieder David, dem bedeutendsten
König des Volkes Israel, zugeschrieben wurden, sagt mehr
über die Interpretation als über den Ursprung der
Psalmen aus; in der Mehrzahl dürften sie nach dem Babylonischen
Exil entstanden sein. Ebenso bleibt offen, inwiefern die Psalmen
Teil jüdischer Gottesdienste waren bzw. aus anderen Anlässen
gesungen wurden.
In den christlichen Kirchen gehören Psalmen
zum festen Bestandteil der Liturgie.

35. Neues Testament
Das Neue Testament (NT) ist nach dem Alten Testament
der zweite Teil der christlichen Bibel. Es enthält die
für den den christlichen Glauben zentrale Botschaft von
Jesus Christus: In Jesus von Nazareth ist Gott Mensch geworden;
durch den Tod und die Auferstehung Jesu hat er die Welt erlöst,
so daß diese dem Weltende getrost entgegensehen kann.
Der Name Testament bedeutet Bund: Er verweist auf das Wort
Jesu beim letzten Abendmahl, wonach Gott durch sein Erlösungshandeln
einen neuen Bund mit den Menschen schließt.
36. Aufbau und
Inhalt
Im Neuen Testament finden sich verschiedene
literarische Gattungen: Die Evangelien, die sogenannte Apostelgeschichte,
Briefliteratur und eine Apokalypse. Die Reihenfolge und Anordnung
der einzelnen Briefe ist je nach Bibelausgabe verschieden.
37. Evangelien
In den Evangelien werden das Leben, der Tod
und die Auferstehung Jesu Christi geschildert. Die ersten
drei Evangelien - Matthäus, Markus und Lukas - ähneln
sich in Aufbau und Inhalt; man nennt sie deshalb auch die
Synoptiker bzw. synoptischen Evangelien. Das Johannes-Evangelium
setzt dagegen stärker eigene Akzente setzt.
38. Apostelgeschichte
Die Apostelgeschichte schildert, wie der Name
schon sagt, das Wirken der Apostel Jesu. Sie berichtet über
die Anfänge der christlichen Mission und damit über
die Ausbreitung des Christentums im 1. Jahrhundert n.Chr.
Die zentrale Figur der Apostelgeschichte ist Paulus, der durch
seine Missionsreisen das Christentum nach Europa brachte.
39. Briefe
Man unterscheidet verschiedene Gruppen von Briefen
im Neuen Testament: Die paulinischen Briefe gelten als echte
Briefe des Apostels Paulus. Dazu gehören der Römerbrief,
die beiden Korintherbriefe, der Galaterbrief, Philipperbrief,
die zwei Thessalonicherbriefe und der Philemonbrief. Die
sogenannten Deuteropaulinen nennen zwar Paulus als Verfasser,
werden aber in der Bibelwissenschaft im allgemeinen (aufgrund
inhaltlicher und stilistischer Merkmale) nicht dem Apostel
zugeordnet: Hierzu gehören der Kolosserbrief, Epheserbrief
und die sogenannten Pastoralbriefe (1. und 2. Timotheusbrief,
Titusbrief.) Der Hebräerbrief ist kein Brief im engeren
Sinne, sondern eher eine theologische Abhandlung. Die sogenannten
Katholischen Briefe umfassen den Jakobusbrief, die beiden
Petrusbriefe, den Judasbrief und die drei Johannesbriefe.
40. Apokalypse
Das letzte Buch im Neuen Testament ist eine
Apokalypse: Die "Offenbarung des Johannes" schildert die Ereignisse
der Endzeit: den Kampf Christi gegen den Satan, das Jüngste
Gericht und die Neuschöpfung der Erde.
41. Entstehung
Der Textbestand der Evangelien geht im Kern
wohl auf mündliche Überlieferungen zurück,
die gesammelt und dann schriftlich weitergegeben wurden. Bei
den Briefen handelte es sich in der Regel um konkrete Schreiben
zu einem bestimmten Anlaß. Den Gedanken, die Schriften
zu einem Kanon zusammenzustellen, übernahm die junge
christliche Kirche - zusammen mit dem Begriff Heilige Schriften
- vom Judentum. Allerdings war es lange Zeit umstritten, welche
Schriften im einzelnen zum Kanon gehören sollten. Aus
dem Jahre 369 n.Chr. existiert eine Liste des Kirchenvaters
Athanasius, in der der Kanon des Neuen Testaments verzeichnet
ist, wie er auch heute noch anerkannt wird.
42. Bedeutung
Das Neue Testament ist das entscheidende Zeugnis
des christlichen Glaubens. In bezug auf seine Auslegung gibt
es im Laufe der Kirchengeschichte allerdings bis heute verschiedene
Problemstellungen. Das betrifft zunächst das Verhältnis
des Neuen Testaments zum Alten Testament. Insbesondere die
Frage, ob das Neue Testament gewissermaßen die Erfüllung
des Alten Testaments ist und dieses (das ja zugleich die hebräische
Bibel der Juden ist) damit überbiete, wird kontrovers
diskutiert. Denn der auch christlich motivierte Antisemitismus
ist bereits in einigen Äußerungen des Neuen Testaments
grundgelegt, so etwa in der (historisch falschen) Andeutung,
"die Juden" hätten den Heiland Jesus Christus gekreuzigt
(tatsächlich waren es die Römer). Zum anderen wird
- vor allem in der Gegenwart - immer wieder die Frage gestellt,
wie der Anspruch des Neuen Testaments, die Botschaft der Erlösung
durch die Gottessohnschaft Jesu zu sein, mit einem modernen
Weltbild vermittelt werden kann. Das betrifft insbesondere
die Frage nach dem Opfercharakter des Todes Jesu, nach seiner
Auferstehung oder auch nach der Jungfrauengeburt.
43. Evangelien
Evangelium
[von griech. euangelion = gute Botschaft].
Die Evangelien (von Matthäus, Markus, Lukas
und Johannes) sind die ersten vier Bücher des Neuen Testaments.
Ihr Inhalt ist das Leben und Wirken des Jesus von Nazareth:
In seinen Wundern und in seiner Botschaft, vor allem aber
durch seinen Tod und seine Auferstehung als Christus wird
deutlich - so lautet die Botschaft der Evangelien -, daß
das Reich Gottes angebrochen ist. Die Evangelien sind damit
ein fundamentales Zeugnis des christlichen Glaubens.
Ihre Entstehungsgeschichte ist im einzelnen
unklar. Die älteste Schicht waren vermutlich mündlich
gesammelte Worte Jesu. Das Markus-Evangelium ist das älteste
Evangelium; sein Text diente den Autoren des Matthäus-
und des Lukas-Evangeliums als Vorlage. Aufgrund der daraus
resultierenden vielfachen Parallelen in Aufbau und Inhalt
spricht man bei diesen drei Evangelien auch von den sogenannten
synoptischen Evangelien bzw. Synoptikern. (Der Name rührt
daher, daß aufgrund dieser Parallelität die drei
Evangelien in einer vergleichenden "Zusammenschau" [Synopse]
angeordnet werden können.) Das Johannes-Evangelium weist
dagegen eine Reihe von Unterschieden im Vergleich mit den
Synoptikern auf, die auf mehrere eigenständige Quellen
schließen lassen. Umstritten ist in der Forschung, ob
und wie das Johannes-Evangelium dennoch von den synoptischen
Evangelien beeinflußt wurde.